Zum Hauptinhalt springen

CARE-IT Domänen

Die CARE-IT Domänen (D1–D6) strukturieren die wesentlichen Handlungsfelder, in denen digitale Versorgungsinfrastruktur geführt, betrieben und weiterentwickelt wird.

Domänen sind keine organisatorischen Silos und keine IT-Abteilungsstruktur.
Sie sind Steuerungsperspektiven auf dieselbe klinische Systemlandschaft – damit Verantwortung, Risiko, Betrieb und Entwicklung über Systemgrenzen hinweg koordiniert werden können.

Was ist eine Domäne?

Eine Domäne beschreibt einen zusammenhängenden Verantwortungs- und Steuerungsbereich, der in jeder Gesundheitseinrichtung vorhanden ist – unabhängig davon, wie die Organisation formal aufgebaut ist.

Domänen machen sichtbar:

  • wo Entscheidungen getroffen werden müssen,
  • welche Fragen dabei strukturell beantwortet werden müssen,
  • und welche Verantwortung dafür verankert sein muss.

Warum braucht es Domänen?

Klinische Systeme werden häufig entlang von Technologien, Lieferanten oder Projekten betrachtet. Im Betrieb entsteht die Komplexität jedoch im Systemverbund:

  • Medizinprodukte + Software + Integration + Datenflüsse + Prozesse + Schulung + Betrieb
  • unterschiedliche Disziplinen mit unterschiedlichen Entscheidungslogiken
  • regulatorische Betreiberpflichten, die nicht „nebenbei“ erfüllt werden können

Die Domänen sorgen dafür, dass diese Realität steuerbar wird – ohne alles neu zu erfinden und ohne zusätzliche Bürokratie als Selbstzweck.

Wie hängen Domänen und Prinzipien zusammen?

Die Grundprinzipien (P1–P8) definieren die normative Richtung: Woran messen wir gute digitale Versorgungsinfrastruktur?
Die Domänen (D1–D6) übersetzen diese Richtung in strukturierte Verantwortungsbereiche: Wo muss die Organisation handeln, damit die Prinzipien wirksam werden?

Beispiel:

  • P5 „Patientensicherheit“ ist ein Prinzip.
  • D4 „Risiko & Patientensicherheit“ ist der Handlungsraum, in dem dieses Prinzip operativ umgesetzt wird.

Überblick über die sechs Domänen

D1 – Klinische Ausrichtung & Nutzensteuerung

Sichert, dass digitale Maßnahmen konsequent an klinischer Wirksamkeit ausgerichtet sind: Nutzenkriterien, Priorisierung, klinische Zweckverantwortung.

D2 – Systemarchitektur & Verbundsteuerung

Macht Systemverbünde, Abhängigkeiten, Datenflüsse und Integrationslogik steuerbar: Gesamtübersicht, Schnittstellenrealität, Verbunddenken statt Komponentenoptimierung.

D3 – Verantwortung & Governance

Verankert explizite Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungswege für klinische Wirkung, Risiko und Betrieb: Verantwortungszuordnung, Eskalation, Entscheidungskompetenz.

D4 – Risiko & Patientensicherheit

Strukturiert patientenrelevante Risikobewertung und -verantwortung im Systemverbund: Risiko-Impact, Abwägung Nutzen/Risiko, dokumentierte Entscheidungen.

D5 – Lebenszyklus & Betriebsfähigkeit

Sichert nachhaltige Betriebsführung über den gesamten Lebenszyklus: Wartbarkeit, Updatefähigkeit, Obsoleszenz, Betriebsübergaben, langfristige Stabilität.

D6 – Innovationsfähigkeit & Weiterentwicklung

Definiert Innovation aus Betreiberperspektive: neue Lösungen wiederholbar zügig, sicher und nachhaltig in den Versorgungsbetrieb überführen – unter Kontrolle, nicht „schnell um jeden Preis“.

Anwendung der Domänen

In der Praxis werden Domänen genutzt, um:

  • klinische Systeme als Versorgungsinfrastruktur zu führen,
  • Zuständigkeiten über Systemgrenzen hinweg zu klären,
  • Entscheidungen konsistent entlang derselben Logik zu treffen,
  • und Entwicklung zielgerichtet zu priorisieren (z. B. über Reifeprofile).

Domänen sind damit die zentrale Struktur, um CARE-IT in bestehende ITIL-/ITSM-Gremien, Medizintechnik-Prozesse und klinische Entscheidungswege anschlussfähig zu integrieren.

Domänen im Detail