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Indikatoren entlang der CARE-IT Domänen

Die folgenden Indikatoren unterstützen die strukturierte Einschätzung der organisatorischen Ausgestaltung der CARE-IT Domänen.

Domänen bewerten die strukturelle Organisationsfähigkeit digitaler Versorgungsinfrastruktur – nicht normative Zielgrößen (diese werden durch die Prinzipien definiert).

Eine numerische Aggregation ist nicht vorgesehen.

Die Bewertung erfolgt qualitativ, interdisziplinär und systemverbundbezogen.

Domäne 1 – Klinische Ausrichtung & Nutzensteuerung

Strukturelle Hinweise auf höhere Reife

  • Digitale Initiativen sind explizit mit Versorgungszielen verknüpft
  • Klinische Perspektive ist institutionell in Entscheidungsprozesse eingebunden
  • Priorisierungen erfolgen nachvollziehbar entlang klinischer Zielgrößen
  • Versorgungsrelevanz und Kritikalität von Systemverbünden sind transparent
  • Wirkung wird strukturiert reflektiert, nicht nur angenommen

Niedrige Reife zeigt sich durch

  • technik- oder budgetgetriebene Projektpriorisierung
  • fehlende Versorgungsziele
  • klinische Einbindung nur situativ oder informell

Reflexionsfragen

  • Sind digitale Vorhaben klar mit Versorgungszielen verbunden?
  • Ist klinische Steuerung strukturell abgesichert?
  • Ist Versorgungsrelevanz transparent klassifiziert?

Domäne 2 – Systemarchitektur & Verbundsteuerung

Strukturelle Hinweise auf höhere Reife

  • Systemverbünde sind transparent dokumentiert (Komponenten, Schnittstellen, Datenflüsse)
  • Abhängigkeiten zu Infrastruktur (Netz, Plattformen, Identitätsdienste) sind bekannt
  • Integrationslogik ist nachvollziehbar beschrieben
  • Änderungen berücksichtigen systemische Wechselwirkungen
  • Kritische Integrationspunkte sind organisatorisch sichtbar

Niedrige Reife zeigt sich durch

  • isolierte Systembeschaffung
  • fehlende Gesamtübersicht über Abhängigkeiten
  • reaktive Behandlung von Integrationsproblemen

Reflexionsfragen

  • Ist die Architektur als Versorgungsverbund sichtbar?
  • Sind Infrastrukturabhängigkeiten transparent?
  • Werden Integrationsfolgen vor Entscheidungen systematisch betrachtet?

Domäne 3 – Verantwortung & Governance

Strukturelle Hinweise auf höhere Reife

  • Rollen und Verantwortlichkeiten sind dokumentiert
  • Betreiber- und Integrationsverantwortung sind klar zugeordnet
  • Entscheidungswege und Eskalationslogik sind definiert
  • Risiko- und Freigabeentscheidungen sind nachvollziehbar verankert
  • Governance ist strukturell organisiert, nicht personenabhängig

Niedrige Reife zeigt sich durch

  • implizite oder informelle Entscheidungsstrukturen
  • personenabhängige Verantwortung
  • unklare Zuständigkeit bei Zwischenfällen oder Änderungen

Reflexionsfragen

  • Sind Zuständigkeiten unabhängig von Personen nachvollziehbar?
  • Sind Entscheidungs- und Eskalationswege strukturell definiert?
  • Ist Governance stabil oder situativ organisiert?

Domäne 4 – Risiko & Patientensicherheit

Strukturelle Hinweise auf höhere Reife

  • Patientenrelevante Risiken werden systematisch identifiziert
  • Sicherheitskritische Funktionen (z. B. Alarmierung, Entscheidungsunterstützung) sind sichtbar bewertet
  • Risikoentscheidungen und Restrisiken sind dokumentiert
  • Vorfälle werden strukturiert analysiert und führen zu strukturellen Anpassungen
  • Risikoabwägungen berücksichtigen systemische Zusammenhänge

Niedrige Reife zeigt sich durch

  • reaktive Risikobearbeitung
  • fehlende Dokumentation von Risikoentscheidungen
  • isolierte Betrachtung einzelner Komponenten

Reflexionsfragen

  • Sind sicherheitskritische Funktionen transparent identifiziert?
  • Werden Restrisiken bewusst verantwortet?
  • Führen Vorfälle zu strukturellem Lernen?

Domäne 5 – Lebenszyklus & Betriebsfähigkeit

Strukturelle Hinweise auf höhere Reife

  • Lifecycle-Planung erfolgt vor Einführung eines Systems
  • Update- und Patchfähigkeit ist organisatorisch geklärt
  • Kompatibilitätsabhängigkeiten sind sichtbar
  • Monitoring, Wiederherstellbarkeit und Betriebsdokumentation sind abgesichert
  • Herstellerabhängigkeiten und EOL-/EOS-Risiken sind transparent bewertet
  • Migrations- oder Ersatzstrategien sind geplant

Niedrige Reife zeigt sich durch

  • reaktive Systemablösung
  • fehlende Lifecycle-Strategie
  • strukturelle Überlastung des Betriebs
  • Abhängigkeit von Einzelpersonen oder einzelnen Herstellern

Reflexionsfragen

  • Ist der Betrieb langfristig stabil abgesichert?
  • Sind End-of-Life- und Herstellerabhängigkeiten sichtbar?
  • Ist Wiederherstellbarkeit strukturell gewährleistet?

Domäne 6 – Innovationsfähigkeit & Weiterentwicklung

Strukturelle Hinweise auf höhere Reife

  • Neue Lösungen durchlaufen eine strukturierte Bewertung
  • Systemverbund-Auswirkungen werden vor Einführung analysiert
  • Pilotierungen erfolgen mit klaren Kriterien (Nutzen, Risiko, Betriebsfähigkeit)
  • Projekt-zu-Betrieb-Übergaben sind organisatorisch abgesichert
  • Erkenntnisse aus Einführungen führen zu strukturellem Lernen

Niedrige Reife zeigt sich durch

  • isolierte Pilotprojekte
  • fehlende Überführung in den Regelbetrieb
  • innovationsgetriebene Instabilität
  • personenabhängige Innovationsdynamik

Reflexionsfragen

  • Ist Innovation strukturell integriert oder situativ getrieben?
  • Bleibt der Versorgungsbetrieb trotz Innovation stabil?
  • Werden neue Lösungen nachhaltig in bestehende Strukturen eingebettet?

Anwendung

Die Bewertung der Domänen erfolgt:

  • interdisziplinär
  • systemverbundbezogen
  • qualitativ
  • regelmäßig reflektierend

Domänen-Indikatoren beschreiben strukturelle Organisationsfähigkeit.
Sie ersetzen keine Detailprüfung einzelner Prozesse.

Reife entsteht durch Stabilität und Kohärenz der Organisationsstruktur – nicht durch formale Vollständigkeit einzelner Maßnahmen.